Isbary Bioland

Die Isbary´sche Güterdirektion, ein Forstbetrieb im Wandel der Zeit.

Die wunderschönen Kulturlandschaft des Pielachtales wird seit jeher durch die Arbeit der Pielachtaler Bauern in kleineren und größeren Betrieben erhalten. Der größte land & forstwirtschaftliche Betrieb im Pielachtal ist die Isbary´sche Güterdirektion. Der heutige Forstbetrieb ist historisch gewachsen. Das Hauptrevier liegt im oberen Pielachtal im Gemeindegebiet von Schwarzenbach an der Pielach. Markante Punkte im Revier sind der höchste Berg des Bezirkes St. Pölten Land das Hennesteck mit 1334 Meter und der Ursprung der Pielach mit ihrem Quellgebiet.

Neben dem Holz war in früherer Zeit auch der Bergbau im oberen Pielachtal ein großer Arbeitgeber. Bis zu 150 Bergknappen waren im Mittelalter am Schwarzenberg beim Bleiglanz Abbau mit eigener Verhüttung vor Ort beschäftigt. Die Stollen sind heute längst verfallen, aber deren Anzahl lässt auf eine rege Arbeitstätigkeit schließen.

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Baron Rudolf Isbary (1858–1932)

Im 19. Jahrhundert kam es durch den Strukturwandel in der Landwirtschaft im ganzen Land zur Abwanderung vieler bäuerlicher Familien in die Städte besonders aus den Berggebieten. So auch im oberen Pielachtal. Die damaligen Besitzer vergrößerten ihren Grundbesitz zu seiner heutigen Ausdehnung. Dabei haben sie sich aber offensichtlich übernommen und mussten schließlich das gesamte Gut 1910 an den Fürsten Johann II zu Liechtenstein verkaufen. Durch diesen kam der Besitz 1913 an Baron Rudolf Isbary, den Großvater der Gutsherrin Prinzessin Eva zu Windisch-Graetz. Heute verwalten Ihre Nachkommen der Familien Hardegg und Attems-Gilleis das Gut.

Um das Holz auch vor Ort zu Schnittware verarbeiten zu können, wurde um 1920 ein Sägewerk mit einer zwei Gatter Säge errichtet. Die Säge wurde durch ein Wasserkraftwerk mit einer Francis Spiralturbine angetrieben, in Trockenperioden durch einen Dieselmotor mit 100 PS.
Um diese Zeit hatte die Isbary´sche Güterdirektion bis zu 80 Mitarbeiter. Im Sägerwerk waren ca 25 Arbeiter beschäftigt. Da es damals noch keine Forststraßen gab, wurde das geschlägerte Holz entweder mit Pferden gerückt, oder mit Holzriesen zu Tal bis zur Pielachklause gefördert, von wo es dann geschwemmt wurde. Da der Bau der Holzriesen häufig ein Drittel des eingeschlagenen Holzes benötigte und die Bringung sehr gefährlich war, wurden gleich sehr große Bestände, ganze Hänge abgeholzt und zu Tal befördert. Dadurch kam es zu ökologischen Schäden.

Ganze Bergrücken waren dem Wetter ausgeliefert. Die Folge waren Auswaschungen und Erosionen. In diesen Bereichen zeigt der Wald heute noch schlechtere Zuwächse und der Holzertrag ist geringer. Auf der West Flanke des Hennesteck zeugt noch heute die Flurbezeichnung „ Kempriese“ von so einem Bauwerk, die letzte Riese, deren Errichtung hohe Fachkenntnisse bedurfte, wurde im Jahre 1954 fertiggestellt.

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Jagdhaus Karntal ca. 1930

Ende der sechziger Jahre begann der Ausbau der Forststraßen. So konnte das Hauptstraßennetz des Betriebes, ca 70 km Forststraßen, bis Ende der siebziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts ohne jede staatliche Förderung errichtet werden, da die Holzpreise im Vergleich zu heute sehr gut waren. Der Preis für einen FM Holz Leitsortiment des Jahres 1976/77 umgerechnet indexiert würde im Vergleich zu heute gleiches Sortiment einen Holzpreis von 160€/ FM bedeuten. Tatsächlich lag in den letzten Jahren der Holzpreis lange unter 70 € und pendelt momentan bei etwa 100€.

Nach der Schließung des Sägewerks musste die Zahl der Mitarbeiter deutlich verringert werden. Die Francis Turbine läuft aber immer noch und so kann heute Öko-Strom in das EVN Netz eingespeist werden. Ähnlich wie in der Landwirtschaft konnte auch in der Forstwirtschaft nur durch Vorantreiben der Mechanisierung dem steigenden Druck der Arbeitskosten standgehalten werden. Heute verfügt die Forstwirtschaft über starke Traktoren, Seilbahnen, Harvester und Rückewagen, aber immer weniger Mitarbeiter.

Als moderner Forstbetrieb versuchen wir heute zu diversifizieren, neue Tätigkeitsbereiche für die Zukunft aufzubauen. Bei der Landbewirtschaftung in einer so schönen Umgebung wie dem Dirndltal ist ganzheitliches Denken besonders wichtig. Als Großbetrieb hat man eine hohe Verantwortung für die biologische Vielfalt (Biodiversität), die zum Beispiel durch den biologischen Landbau verbessert werden kann. Auf Teilflächen der Isbary´schen Güterdirektion wird seit 1992 Landschaftspflege mit schottischen Hochlandrindern auf biologischer Basis betrieben.

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Rudolf von Isbary II und sein Sohn Lothar sowie Cousin Erwin Regenhart und die Jägerschaft vor dem Jagdhaus ca. 1925

Die in unserer Gegend in Generationen harter Arbeit gewachsenen land- und forstwirtschaftlichen Strukturen können am besten mit nachhaltiger Forstwirtschaft und flächendeckender Grünlandbewirtschaftung, die es im Dirndltal ohne Viehhaltung nicht geben kann, erreicht werden. Hierzu gehört auch die Erhaltung alter Höfe mit deren Gebäuden, die heute vermietet werden können. Im Pielachtal sind seit jeher die Forst und Landwirtschaft eine wichtige Basis und die Grundlage dafür, dass unsere Gegend für alle Menschen eine lebenswerte Umwelt mit einer hohen Wohlfahrtswirkung darstellt. Niedrigere Produktpreise und ansteigende Betriebsmittelpreise machen es nicht leichter, dies alles auch zukünftig leisten zu können. Die ständige Bewegung und Veränderung kann der Land und Forstwirt durch sein Handeln positiv oder negativ beeinflussen. Hierbei spielt es keine Rolle ob es sich um einen kleinen oder einen größeren Betrieb handelt.


Es scheint so, dass in der Forstwirtschaft auch längerfristig durch den Trend zum ökologischen Bauen und zu Biomasseheizwerken weiterhin positiv in die Zukunft geblickt werden kann.

Text: Friedrich Hardegg