Isbary Bioland

Die Pielach

Die Pielach, die Lebensader unserer Heimat, ist ein klarer Kalkfluss und entspringt auf 976 m Seehöhe im Gemeindegebiet von Schwarzenbach an der Pielach. Als Bielaha (altslawisch: weißer Fluß) wurde sie erstmals bereits in einer Schenkung Karls des Großen an das Kloster Niederaltaich im Jahr 811 erwähnt. Der Ursprung der Pielach unweit des Berges Hennesteck liegt in der Randzone der nördlichen Kalkalpen. Vom Ursprung bis zur Mündung in die Donau nahe der Stadt Melk legt der Fluß etwa 67,5 km zurück.

fischerei_03Die Pielach weist in Ihrem gesamten Verlauf noch einen relativ naturnahen Charakter auf und im Unterlauf kann sie teilweise frei mäandrieren. Ihr gut strukturiertes Flussbett und weitgehend naturbelassene Ufer erhöhen nicht nur die Selbstreinigungskraft des Wassers sondern ermöglichen auch eine große Artenvielfalt. Viele Pflanzen- und Tierarten sind direkt oder indirekt auf das intakte Ökosystem Fluss angewiesen. So ist es eine hohe Auszeichnung für das Pielachtal, dass dieser gute Zustand unseres Flusstales mit all seinen Lebensgemeinschaften auch auf europäischer Ebene Annerkennung gefunden hat und in das Natura 2000 Gebiet „NÖ Alpenvorlandflüsse“ (AT 1219000) aufgenommen wurde. Das Pielachtal ist auch als „Important Bird Area (IBA)“ ausgewiesen, im Unterlauf ist die Pielach eines der am dichtesten besiedelten Brutgewässer des Eisvogels (Alcedo atthis) in Österreich. In Verbindung mit den angrenzenden Hangwäldern bieten sich auch Brutmöglichkeiten für den heimlichen Schwarzstorch (Ciconia nigra), der auf große, ungestörte Waldgebiete mit integrierten Bachläufen angewiesen ist. Dem tragen wir im Oberlauf mit einer multifunktionalen Ausrichtung der Forstwirtschaft Rechnung, um ein Mosaik von nicht zu dichten Mischwäldern mit Altholz, Lichtungen und Feuchtgebieten zu erhalten.


fischerei_01Fischereibiologisch reicht die Pielach von der oberen Bachforellenregion bis zum Übergang von der Äschen- zur Barbenregion. Hier ist nicht nur ein guter Bestand an Forellen und Äschen (Thymallus thymallus) zu finden sondern auch so manche rare Begleitfischart wie die Koppe (Cottus gobio), die Elritze (Phoxinus phoxinus), der Schneider (Alburnoides bipunctatus) oder der Steingreßling (Gobio uranoscopus). Von besonderer Bedeutung sind die zahlreichen, relativ naturnahe erhaltenen Zubringerbäche, in denen genetisch weitgehend ursprüngliche Populationen der Bachforelle (Salmo trutta) und auch der gefährdete Steinkrebs (Astacus torrentium) beheimatet sind

Der edelste und seltenste Fisch der Pielach ist der Huchen (Hucho hucho), auch „Donaulachs“ genannt, der in der Pielach einen selbstreproduzierenden Bestand von internationaler Bedeutung bildet. Um die Erhaltung dieser Population hat sich der langjährige Fischereiausübungsberechtigte, die Österreichische Fischereigesellschaft, gegründet 1880, besonders verdient gemacht und die fischereiliche Bewirtschaftung orientiert sich dementsprechend seit langem an nachhaltig ökologischen Prinzipien.

fischerei_07Die ÖFG hat durch die Pacht der Fischereirechte des überwiegenden Teils der befischbaren Pielachstrecken seit nun schon 132 Jahren zusammen mit den Fischereiberechtigten gleichsam die Patenschaft über die Pielach übernommen. Einst war der Huchen aus der Donau durch Verschmutzung völlig verschwunden und konnte sich nur noch in wenigen Nebenflüssen halten. Von Seiten der Fischerei wurde jahrzehntelang mit hohem persönlichem und finanziellem Einsatz versucht, die Pielach möglichst vor Abwasserschäden, vermeidbaren Regulierungen und Wasserableitungen zu schützen, um diesen wunderbaren Fischbestand zu erhalten. Heute gibt es den Huchen auch wieder in der Donau, teilweise wurde sogar Ei-Material von Pielachhuchen für den Besatz im Gebiet des Nationalparks Donauauen östlich von Wien herangezogen. Diese fischereiökologische Erfolgsgeschichte wurde auch von der Europäischen Gemeinschaft 1999-2004 im Rahmen des LIFE Natur Projekts „Lebensraum Huchen“ gefördert. Ziel war die Vernetzung der Huchenpopulationen von Pielach und Melk mit der Donau durch die Herstellung der Durchgängigkeit an Querbauwerken (Wehranlagen), um wandernden Fischarten wie dem Huchen
Hucho hucho), der Barbe (Barbus barbus) und der Nase (Chondrostoma nasus) wieder das Aufsteigen in die Nebenflüsse zu ermöglichen. Trotz beachtlicher Erfolge bleibt aber gerade in diesem Bereich noch viel zu tun.

fischerei_04Wegen des guten Fischbestandes war die Fischerei in der Pielach schon seit jeher von großer Bedeutung. Die erste urkundliche Erwähnung von der Vergabe von Fischereirechten an der Pielach finden sich im Urbar Wallsee aus dem Jahre 1449. Damals wurden übrigens auch die nur 4-10 Zentimeter großen Koppen (Cottus gobio) gezielt gefangen, die als Fastenspeise sehr beliebt waren. In einer alten Broschüre der Österreichischen Fischereigesellschaft aus dem neunzehnten Jahrhundert werden die Bewohner des Pielachtales als “in der Regel freundlich und entgegenkommend“ beschrieben. Bei Ausnahmen wurden „conciliantes Verhalten und humoristische Entgegnungen“ an Stelle von „provocatorischem Vorgehen“ empfohlen – eine beherzigenswerte Regel, die manchen Konflikt vermeiden half. In der heutigen Zeit wird in der Pielach hauptsächlich mit der künstlichen Fliege auf Forellen, Äschen und den Huchen gefischt. Die Fischerei an der Pielach ist europaweit bekannt und geschätzt. In Hofstetten an der Pielach findet auch alljährlich der Fliegenfischertag der ÖFG statt. Diese internationale Veranstaltung ist in den letzten Jahren zu einem beliebten Treffen der Fliegenfischerszene geworden.


So ist die Pielach unser gemeinsames Erbe, für das wir den kommenden Generationen verantwortlich sind – damit sich auch unsere Kinder noch für den Lebensraum Pielach begeistern können!

Text: Friedrich Hardegg
Fotos: Ewald Hochebner

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